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Angespornt und aufgemuntert von dem neuen Tambour Sylvester Wachter reifte in dem Euphonisten Caspar Ritter der Entschluss größere Dilettantenstücke zur Aufführung zu bringen und scheute derselbe deshalb keine Opfer in unserem Stammhause zum Löwen eine Bühne zu erbauen. Es sollte auf diesen Brettern das Schaustück „Menschenhass und Reue“ zur Aufführung gelangen. Die nämlichen Kräfte bildeten durchwegs Vereinsmitglieder, die ebenfalls opferwillig und keine Mühe scheuend mitwirkten an einer zweiten, das Volk bildenden Kunst – der Theaterkunst! Unser Verein stand auf höchster Stufe seiner Blüte, denn er suchte die Musik mit den Gedanken des Dichters zu verbinden, um damit dem Leben den höchsten Ausdruck zu verleihen. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass auch Mädchen bei dieser Dilettantengesellschaft eifrigst mitspielten. Trotzdem von manch unberufener Seite Bedenken auftauchten, es würden Missbräuche entstehen, wurde die Ordnung vom gewählten Theaterleiter Caspar Ritter aufs musterhafteste gehandhabt, so dass auch von der satirischen Kritik nichts zu wünschen übrig blieb. Von den Damen wirkten mit: Fräulein Anna Katharina Mätzler, Maria Heidegger, Isabella Simma, Margaretha Waldner. Infolge fleißiger Proben wurde dieses 1. Theaterstück bei gänzlicher Besetzung der vorhandenen Plätze zur vollsten Zufriedenheit der Zuschauer am 25.1.1885 zum ersten male zur Ausführung gebracht, sodass der damalige Gemeindearzt Dr. Fink sich äußerte: „Aber so wird in Egg nie mehr gespielt!“ Die aus dieser Theateraufführung hervor gegangenen Einnahmen sind unterm 25.1. und 15.2.85 im Kassabuche ersichtlich. Nicht unangefochten blieb diese schöne Unternehmung von Seite des schon einmal genannten Pfarrprovisors Walser, indem er durch satirische Anspielungen diesen Verein zu comprimitieren suchte. Dabei bediente er sich des Kapuzinerpaters Virgil – eines Mannes, der umsonst gelebt; der nichts verriet, das er je gelacht oder geweint, geliebt, betrogen oder gequält worden war. Und wenn er wirklich je gelebt und gefühlt hatte, man merkte nichts hievon. Das erste Geheimnis seines Amtes – Leben in Wahrheit umzusetzen – hatte er nie gelernt, und hat es daher auch nie verstanden, ein Körnlein seiner Lebenserfahrung in seine Lehre zu bringen. Dieser Mann hatte Bücher gelesen, er hat gegessen und getrunken, sein Organismus arbeitete wie der eines jeden Sterblichen und trotzdem verriet nicht die leiseste Andeutung in seiner Schrift, dass er je gelebt habe. Keine Zeile war dem wirklichen Leben entnommen und dieser Mann wollte durch stichelnde Sätze im Vorarlberger Volksblatt uns ins schiefe Licht stellen und dem Vereine liberale und frivole Gesinnungen beimessen. Aber diese von dem Geifer des schwärzesten Hasses zeugenden Zeitungsartikel fielen auf unfruchtbaren Boden und die unternehmungslustigen Geister widmeten sich der Theaterkunst nach wie vor. Im August wurde unsere Kapelle vom Herrn Bezirksrichter Pfanndler ersucht, vereint mit der Musikgesellschaft Bezau, die Bregenzerwälder Schützengesellschaft in Nationaltracht zum zweiten österreichischen Bundesschießen nach Innsbruck zu begleiten. Dessen Wünsche willfahrend traten wir am 9.VIII. unter Mitwirkung der Kapellmeister Greusing von Mellau, Johann Peter Schedler von Lingenau, Peter Mennel von Hittisau, Josef Hörburger von Doren und Nußbaumer von Langenegg, die uns gemachte Anwerbung an, es nicht bereuend derselben Folge geleistet zu haben, der hie bei namentlich an Gemütlichkeit nichts fehlte. In Innsbruck brachte man uns in der Turnhalle unter. Am darauf folgenden Tage wirkten wir bei dem Festzuge mit. Nachmittags konzertierten wir im Steingarten in Hall. Vereinshansel Johann Heidegger trug bei dieser Gelegenheit zur allgemeinen Heiterkeit auch sein Scherflein bei, indem er auf einem Tische stehend, das wahnsinnige A,B,C, zum Vortrag brachte, wobei er von einem Blitzapparate verewigt wurde. In bester Eintracht und Gemütstimmung kehrte jeder wieder in sein Heim zurück, mit dem Bewusstsein, dass die holde Erinnerung diese wenigen aber schönen Tage noch recht oft wieder gebären werde. Überall aber wechselt die Witterung des Glückes. Wolkenlose Tage wechseln mit stürmischen und die Sense des Saturns mäht auch die mächtigsten Eichen, was auch unser Verein erfahren musste. Im Mai dieses Jahres fiel das schon mehrmals erwähnte, und sich um das Vereinswesen sehr verdient gemachte Mitglied, Sylvester Wachter, dem Tode zum Opfer. Wir ließen es nicht fehlen, ihn noch auf seinem letzten Gange zu begleiten. Unter den feierlichen Tönen eines Trauermarsches wurde das Grab geschlossen. In manchem Auge machte sich eine Träne bemerkbar und nur einer schien gar nicht teilzunehmen an diesem wehmütigen Augenblicke. Einer der schon mehrmals erwähnt werden musste, ob des Geifers und Hasses gegen unseren Verein – Pfarrprovisor Walser. Da hätten wohl die Worte des Dichters Erwähnung finden sollen: „Hör auf mit deinem Gram zu schielen, der wie ein Geier dir am Leben frisst.“
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