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Am 24. Februar 1877 war von den Mitgliedern bereits eine Sammlung freiwilliger Beiträge vorgenommen worden, deren Ergebnis aus dem Kassabuche Folio 1. ersichtlich ist. Am 25. wurde die Sammlung fortgesetzt und dabei Herr Dekan Josef Stöckler von den Mitgliedern Konrad Fetz, Kaspar Ritter und Josef Feuerstein um eine Unterstützung angegangen. Der Empfang bei genanntem Herrn war ein äußerst unerfreulicher; genannte Mitglieder wurden als Lustenauer Bettler tituliert und nachdem Konrad Fetz sich bemühte Herrn Dekan die Sache im gütlichen Wege beizubringen, sagte derselbe tobend: „Was Trompeten braucht man im Krieg, er werde die Sache von der Kanzel aus verbieten.“ Wie gesagt so getan. Am darauf folgenden Tage erklärte Herr Dekan Stöckler nach der Predigt einen traurigen Anfang machen zu müssen, welcher sich auf nichts anderes als den ins Leben getretenen Musikverein bezog, und den Zweck haben sollte, denselben zu vernichten. Das Ganze war selbstverständlich eine einseitige Ansprache dahin gerichtet, dass die Eltern ihre Söhne nicht beitreten lassen sollen. Dieselbe machte sowohl auf die Mitglieder, deren Eltern, sowie auf jeden vernünftig denkenden Menschen grundwenig Eindruck. Einzig das Mitglied Konrad Fetz, welches übrigens dem Verein anlässlich der Sammlung gute Dienste geleistet hatte, ließ sich durch Zureden und Bezahlung von einem Gulden, durch Herrn Kaspar Kohler zur Frohen Aussicht, zum Austritt bewegen.
Alle übrigen lernten unentwegt eifrig fort. Acht Tage später spielten fünf Mitglieder der Lustenauer Kapelle anlässlich eines Sängerballes Tanzmusik im Löwen und untersuchten bei dieser Gelegenheit unsere Instrumente. Einige wurden mangelhaft befunden und mussten umgetauscht werden. Im April spielten die Lustenauer abermals Tanzmusik und über Ersuchen erklärte sich Kapellmeister Bösch bereit uns einige Proben zu erteilen, wovon dann die erste am 20. April 1877, die weiteren am 29. und 30. April stattfand. Über seinen Vorschlag wechselten mehrere Bläser die Instrumente und Melchior Meusburger trat als Bassist neu ein. Am 27. Mai trat Franz Xaver Rusch bei und übernahm die 2. Flügelhornstimme, während Kaspar Ritter betreffs Erlernung des Schreiner-Handwerks, bei einem Meister in Schnepfau, austreten musste. Nachdem fleißig gelernt wurde, trat der Verein anlässlich des 25-jährigen Jubiläums Sr. Heiligkeit Papst Pius des IX. zum ersten mal öffentlich auf und spielte das Tedeum und Sanktissima. Mitte August sollte in Egg das Schützenfest stattfinden und wurde der Verein von den Schützen anfangs August angegangen die Musik beizustellen. Trotzdem wir erst 2 Märsche mangelhaft zu blasen im Stande waren, wagten wir es dessen Begehren zuzusagen und wurde dann Josef Stülz ersucht uns eine Probe zu geben, was dann am 2. August stattfand. Auf den 12. VIII. war das Fest bestimmt und es mussten mehrere Vereinsmitglieder bis aus den innersten Bergen heraus kommen. In dieser Probe lernte man den „Astern Polca“ und „Hinaus in die Ferne“. Am Samstag den 11. August abends machten wir den ersten Probenausflug ins Hotel Gams auf dem Rain, um hie bei das Marschieren und Blasen zu üben. Im Schopf gaben wir Konzert, denn das Wetter war sehr ungünstig und die Noten mussten vor Verwüstung geschützt werden. Der Morgen des 12. Augustes war unerwartet schön und die Mitglieder versammelten sich im Löwen, um in corpre zum Schützenhaus zu marschieren. Dort schlossen sich die Schützen an und es wurde nun das Schwarzenberger Schützen-Corps abgeholt. Auf dem Festplatze angekommen, sah man schon die Bezauer und Andelsbucher Schützen ankommen und man kam ihnen bis zum Engel entgegen. Unter klingendem Spiel der Bezauer Musikbande fand der Aufzug auf den Festplatz statt. Auf dem Festplatz angekommen, spielten wir auch wieder 2 Märsche und es wurde dann vom Schützenobmann Dr. König eine Ansprache an die Schützen gehalten, die dann mit einem Toast auf seine Majestät den Kaiser endete. Hernach wurde zu dem Schießstande marschiert und es hatte das Blasen bis abends ein Ende. Dann wurden sämtliche Freunde Schützen auf den Heimweg begleitet. Hernach wieder zum Schützenhause marschiert, wo wir noch Platzmusik spielten. Zu diesem Allem sei noch bemerkt, dass wir bei diesem Feste 4 ganz leichte Märsche, 2 Polka und 2 Walzer konnten. Bald nach diesem Feste wurde es uns bekannt, dass das Gesangvereinsmitglied Johann Schneider, Mühle, heiraten werde und unser Verein hegte den Gedanken, bei dieser Hochzeit die Tanzmusik selbst beizustellen. Es wurde nun eifrig gelernt und in 6 Wochen konnten wir 23 Tänze und ein Quadrill spielen. Am Hochzeitstage am 22. Oktober wurde mit Fleiß und Ausdauer von dem Kapellmeister Simma und den Mitgliedern Josef Hammerer, als Flügelhornist; Leo Simma, Bassist; Josef Moosbrugger, Tromba; Johann Heidegger und Michael Meusburger, als Althornisten, zur allgemeinen Zufriedenheit Tanzmusik gespielt. Das Ergebnis war ein reichliches, was aus dem Kassabuche Folio 5 zu ersehen ist. Einige Wochen später wurde dann im Gasthause zur Taube wiederum Tanzmusik gespielt. Die Einnahmen von der Tanzmusik wurden teils an die sieben spielenden Musikanten verteilt, teils in die Vereinskassa gelegt. Ferner wurde beschlossen, an Namensfesten mehreren hervorragenden Persönlichkeiten Ständchen zu bringen, was dann von Zeit zu Zeit zur Ausführung kam und laut Ausweis des Cassabuches bedeutende Einnahmen ergab, was dem Verein zu großem Nutzen kam, denn die Anschaffung der Instrumente, Noten und andern Utensilien kosteten enormes Geld, welches von I.L. Simma vorgestreckt war und sukzessive wieder abgezahlt werden musste. Was jedoch diese Abzahlung betrifft wurde auf die Mitglieder gleichmäßig verteilt und konnte so jeder sein Conto nach und nach begleichen und kam die Vereinskassa in der Zeit von einigen Jahren zu einem kleinen Vermögensstande.
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